27. November 2020

nordisch FOTOGRAFIE

Themen zur Fotokunst & alternativen Fotografie


Immer wieder stelle ich mir die Frage, was macht ein fotografisches Portrait aus ?  Es gibt mittlerweile unzählige Fachliteratur zu diesem Thema. Sind es nun Einzelbilder eines Menschen, sogenannte Headshots oder ganze Serien ?

Wikipedia sagt folgendes dazu: „Porträtfotografie ist meist das fotografische Herausarbeiten des charakteristischen Wesens der Person.“ und zeigt dann überwiegend Bilder von lächelnden Köpfen einzelner berühmter Menschen.

Aber was ist das charakteristischen Wesen eines Menschen, gibt es da überhaupt ein eindeutiges Bild oder einen eindeutigen Moment an dem ich das festmachen kann?

Die Headshots von Tilman Köneke, sind nahbar und modern. Es spiegeln sich Mimik, Gestik in Ihnen- all das was ein Mensch zu zeigen hat – exakt in der Sekunde der Aufnahme.
Ein ganz besonderer Moment, der Öffentlichkeit erlaubt und trotzdem privat erscheint.
In Manchen seiner Portraits zeigt er auch mehr als nur eine kurze Sequenz des Gegenübers. So werden Beruf, Berufung und aktuelles Geschehen mit zum Gegenstand gemacht.

Ganz anders hingegen wirken die Bilder von Matthias Holling auf mich, im speziellen die Serie Halber Mensch. Sie sind fokussiert auf die reine und direkte Emotionalität.
Der Betrachter spührt förmlich wie der Mensch vor der Kamera ins Leere fällt, an welchem Punkt er gerade steht- alles das wird geradzu nachfühlbar.

Wiederum eine andere Bildsprache benutzt Franziska Nehmer. Ihre Bilder offenbaren leise die Geschichten hinter den Menschen, die sie portraitiert. 
Portraits, die neben der Besonderheit des Menschen vor der Kamera, auch Sehnsüchte, Hoffnungen und Idealvorstellungen der Person und auch der Fotografin selbst vereinen.

Mein Name ist Jörg Oestreich. In meiner beruflichen Tätigkeit als Werbefotograf ist das Ziel einer Fotografie oft ein erfolgreicher Verkauf von Dienstleistungen oder Produkten oder das Image einer Firma oder eines einzelnen Menschen.

In der künstlerischen Portraitfotografie möchte ich den Menschen zunächst kennenlernen . Ein Interview hilft mir herauszufinden, was meinem Gegenüber gerade besonders wichtig ist. Es inspiriert mich zu Momentaufnahmen in besonderen Umgebungen, Inszenierung oder komplexen Portrait-Serien, die sowohl für die Gegenwart stehen, aber auch für die Zukunft gelten. So vermische ich Realität mit Fiktion.

Bei allen genannten Fotografen ist aber eine Gemeinsamkeit vorhanden. Sie zeigen ein Bild das fragt oder antwortet: „Wer bin ich ?