23. Oktober 2021

nordisch FOTOGRAFIE

Kunst ist verstehen über Sprache und Zeit hinweg


Menschen mit einer modernen Kamera in Szene zu setzen wird einem immer einfacher gemacht. Die hohe Geschwindigkeit des Autofokus inklusive Augen und Gesichtsverfolgung unterstützt duch KI und die schnelle Folge einzelner Aufnahmen erleichtert es ungemein den richtigen Moment zu finden. Der Fotografierende muss sich oft nur um den Ausdruck des Menschen vor der Kamera und um den Bildaufbau kümmern. Den richtigen Moment zu finden ist auch dann schon schwer genug aber die Technik unterstützt einen. Fast schon bizarr hingegen wirkt auf mich das, was die ultramodernen Smartphones mit Momenten und Gesichtern machen. Es ist fast nicht möglich etwas zu fotografieren was nicht überragend gut aussieht. Das was moderne Photoapps mit den Gesichtern oder den Körpern macht hat nichts mehr mit Wirklichkeit zu tun. Es verändert das aufgenommene Motiv so extrem das Menschen sich völlig neue Realitäten erzeugen, die nichts mehr mit dem zu tun haben, was man vorher oder nacher im Spiegel betrachtet. Wirklichkeit verändert sich nicht, nur weil eine Kamera es behauptet.

Völlig anders hingegen ist es bei der Lochbildfotografie. Furchtbar lange Belichtungszeiten von 2 Sekunden bis hin zu 2 Minuten und die Abwesenheit von Fokus überhaupt machen es schon ein wenig schwieriger. Der fehlende Sucher lässt einen im dunklen tappen und alles, bist hin zur korrekten Belichtungszeit, muss geschätzt werden.

Darüber hinaus ist die allgemeine Akzeptanz schon etwas anspruchsvoller sich am Ende auf einem Bild verewigt zu sehen, das einen gerade einmal so detailliert zeigt wie bei einer Zeichnung.

Trotz dieser widrigen Umstände strahlen die fertigen Bilder am Ende mit einer ganz eigenen Faszination. Denn gerade diese Detailbefreiung ist es auch die etwas wirklich schönes zeigen kann. Das Gehirn erdenkt einfach bei Bedarf die fehlende Dinge hinzu oder es akzeptiert einfach die gerade ausreichende Schärfe.

Gerade diese Unschärfe ist wie ein Teil des Lebens selbst. Gestern genauso wie Morgen erscheinen schon oder noch verschwommen. Im Heute sind es die entfernten Dinge die genauso wenig Einzelheiten zeigen und wenn man Menschen betrachtet werden sie erst mit der Zeit wirklich Detailreich. Man bekommt einfach Vieles, das zumindest mich diesen Mehraufwand in der Herstellung des Bildes akzeptieren lassen.

Für mich ist Pinholefotografie ein Stück Wirklichkeit und ein bischen Silber mit nichts anderem als einem kleinen Loch dazwischen.

Ich sage danke zu den Menschen, die sich in diesem kleinen Moment der Stille einfinden können.